Auszeichnungen

"Golden Star Award of Active European Citizenship 2009 der Europäischen Union, Kategorie „Aktive europäische Erinnerung“

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Fragen und Anmeldungen für Führungen an:

Gedenkstätte GJWH Torgau

Tel.  03421 714203
Fax. 03421 776641
info@jugendwerkhof-torgau.de

Alles im Kollektiv

Der Geschlossene Jugendwerkhof nahm bis zu 60 Jugendliche auf. Sie waren in zwei Jungengruppen und eine Mädchengruppe geteilt. Mädchen und Jungen durften keinerlei Kontakt haben, selbst Blickkontakt stand unter Strafe. Noch 1989 waren 40 Erwachsene für die Jugendlichen zuständig: der Direktor, 17 Erzieher und 22 Angestellte.

Der Alltag im Jugendwerkhof war wie eine Zwangsjacke. Es herrschte ein militärischer Umgangston, alle Aktivitäten mussten in der Gruppe erledigt werden. Die Jugendlichen durften sich nur im Laufschritt bewegen. Die Wochentage verliefen gleichförmig: Wecken um 5.30 Uhr, vor dem Frühstück Sport, anschließend Abhören der Nachrichten mit Kontrollfragen, vormittags und nachmittags produktive Arbeit oder Unterricht, danach reglementierte Freizeit bis zum Einschluss, Nachtruhe um 21.00 Uhr. An den Wochenenden wurde erst um 7.00 Uhr geweckt und statt Produktion und Schule das Freizeitprogramm durchgeführt.

Die „Arbeitsordnung“ schrieb vom Wecken bis zur Nachtruhe alle Handgriffe vor, sei es beim Bettenbau, beim Schuhputzen oder bei vorgeschriebener Ablage der Arbeitskleidung. Alles wurde beaufsichtigt. Ohne Anordnung der Erzieher durfte im Speisesaal niemand Platz nehmen oder aufstehen, durften sich die Jungen nicht rasieren, durften keine Blumen gegossen werden. Selbst der Toilettengang hatte im Kollektiv und zu vorgeschriebenen Zeiten zu erfolgen. Jeden Sonnabend wurde die Länge der Finger- und der Fußnägel kontrolliert.

Zur Freizeitgestaltung zählte „die Orientierung auf die Normen des sozialistischen Zusammenlebens“ . Das umfasste auch kulturelle und körperliche Betätigung. Jede Form musischer Betätigung fehlte, Eigeninitiative wurde nicht gefördert. Sport diente lediglich dem Drill und der vormilitärischen Ausbildung, häufig wurde er zur Strafe angeordnet.

Auch Schönheitsreparaturen am Gebäude und Putzdienst zählten zur Freizeit. Die freie Bewegung auf dem Hof, Ausgang oder Exkursionen waren nicht vorgesehen.

Am Wochenende musste an die Eltern und den Jugendfürsorger geschrieben werden. Schreiben an Freunde war nicht erlaubt, überdies wurden alle Briefe zensiert. Die Eltern durften einen Besuchsantrag stellen, der bei positivem Verhalten des Jugendlichen genehmigt wurde. Der Besuch dauerte höchstens eine Stunde und fand in Anwesenheit eines Erziehers im Besucherzimmer statt. Geschenke waren verboten. Dies alles vermittelte auch den Eltern eher den Eindruck eines Gefängnisses als einer Einrichtung der DDR-Jugendhilfe.

Hofbreich

Sport hatte einen hohen Stellenwert im Geschlossen Jugendwerkhof. Mehrmals am Tag waren sportliche Übungen vorgesehen ...

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