Stefan L.

„Ich wurde durch den stellvertretenden Direktor vom Jugendwerkhof Freital mit einem PKW nach Torgau gebracht. Während der Fahrt machte er mir klar, dass meine Zeit des Widerstandes gegen meine Erziehung nun endgültig vorbei ist. In Torgau würde man auch mich in den Griff bekommen.“

„Schikanen unter den Jugendlichen gab es eigentlich nur in der Form, dass unbeliebte oder in der Hierarchie unten stehende Jugendliche die Dreckarbeit verrichten mussten. Schikanen der Erzieher waren allgegenwärtig. Allein der Druck, dass sie jederzeit willkürlich Strafen verhängen könnten, die ständigen Demütigungen und die ständige Demonstration der Macht, war Schikane genug.“

„Die Tage im Arrest waren eintönig und von Langeweile geprägt, die nur durch den Strafsport, zusätzliches Flurreinigen, Essen und Waschen unterbrochen wurde.“

„Die Wochenenden unterschieden sich nur in zwei wesentlichen Punkten von den Wochentagen. Erstens es wurde nicht gearbeitet und am Sonnabend gab es das große Revierreinigen.“

„Die Zeit im Jugendwerkhof Torgau ist als wesentlich schlimmer, wesentlich gravierender für meine spätere Entwicklung einzuschätzen, als die Zeit im Jugendhaus Halle. Im Jugendhaus Halle wurde wenigstens meine Menschenwürde und meine Person geachtet. In Torgau war das egal.“

<< zurück

Stefan L.
Stefan L.; geb. am 29. Mai 1967 in Berlin; Jugendwerkhof Freital; 1985 drei Monate im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau; "Sein Denken und Handeln ist sehr durch westliche Einflüsse geprägt. Auch die kirchliche Beeinflussung hat hier einen großen Anteil."