Gedenkstätte GJWH Torgau

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Schriftenreihe »Auf Biegen und Brechen«, Band 4

Marcel Piethe: »Ihre politisch-ideologische Einstellung ist, gemessen am Einfluss und Leben im Elternhaus, miserabel« Funktionärskinder im System der DDR-Spezialheime.

Die Maßnahmen staatlicher Repression zur Durchsetzung gesellschaftspolitischer Leitbilder wie auch die Instrumente zur Kontrolle der individuellen Anpassungsleistung an das politische System richteten sich im Sinne totalitärer Staatsdoktrin grundsätzlich auf die gesamte Bevölkerung der DDR. Es handelte sich um das Projekt einer totalitären Zurichtung der Gesellschaft, in der die Reichhaltigkeit der Lebensinteressen potenziell gefährlich erschien.
Den Menschen, die die Funktionseliten des Staates bildeten, kam dabei eine besondere Vorbildwirkung zu. Auch die Kinder und Jugendlichen im familiären Umfeld dieser »Funktionsträger« waren in besonderem Maße einem Anpassungsdruck unter die Normen der Gesellschaft ausgesetzt.
Bei Überschreitung gesellschaftlicher Vorgaben gerieten diese Kinder und Jugendlichen auch und vor allem durch den Anpassungswillen der im Staatssystem beruflichökonomisch und zumeist auch geistig-moralisch verankerten Familien, vorrangig der Eltern, maßgeblich in den Blick der gesellschaftlichen und staatlichen Überwachung.
Der massive Eingriff in die Persönlichkeitsentwicklung durch die Einweisung in ein Spezialheim bzw. einen Jugendwerkhof infolge gesellschaftlich-normativer Verstöße entsprach als eine mögliche Maßnahme zur gesellschaftlichen Disziplinierung den restriktiven Vorgaben des Staates zur Anpassung seiner Bürger, insbesondere seiner staatlichen und gesellschaftlichen Vertreter, an die »sozialistischen Lebensnormen«.

Ausgehend von ausgewählten Fallbeispielen wird von dem Autor Marcel Piethe untersucht, welche innerfamiliären Umstände und gesellschaftsdisziplinierenden Mechanismen zur Einweisung von DDR-Funktionärskindern in Kinderheime sowie Jugendwerkhöfe führten.

Preis: 7,00 Euro

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