„Von Torgau an der Elbe bis nach Hamburg verbindet der Fluss nicht nur Orte, sondern auch Geschichte und Erinnerung. Dass unsere BLACKBOX HEIMERZIEHUNG diesen Weg nun ebenfalls nimmt, ist für uns nach fast 30 Jahren Vereinsarbeit ein besonderer Moment“, sagt Gabriele Beyler, Vorsitzende der Initiativgruppe Geschlossene Jugendwerkhöfe Torgau e. V., Trägerverein der Gedenkstätte.
Mobile Ausstellung macht Station vor der Elbphilharmonie an einem Originalsegment der Berliner Mauer
Die mobile Ausstellung BLACKBOX HEIMERZIEHUNG ist erstmals in Hamburg zu sehen. Ab dem 21. Juli lädt sie bis zum 13. August 2026 auf dem Platz der Deutschen Einheit in der HafenCity zur Auseinandersetzung mit der Geschichte der DDR-Heimerziehung ein. Der Ausstellungsort könnte dabei kaum symbolträchtiger sein: Die BLACKBOX steht unmittelbar neben dem 2,7 Tonnen schweren und 3,60 Meter hohen Originalsegment der Berliner Mauer – direkt vor der Elbphilharmonie.
Der Aufenthalt in Hamburg bietet Besucherinnen und Besuchern auch die Möglichkeit zum direkten Austausch mit einem Zeitzeugen. Dieser ist vom 21. bis 23. Juli, jeweils von 14:30 bis 17 Uhr, vor Ort und berichtet über seine persönlichen Erfahrungen. Auch ihn verbindet eine besondere Beziehung mit Hamburg: Nach dem Fall der Berliner Mauer lebte er mehrere Jahre in der Hansestadt.
Die Präsentation der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau erfolgt in Kooperation mit dem Projekt „Tor zur Freiheit?! – Ein außerschulischer Lernort zu DDR-Geschichte in Hamburg“. Ergänzend steht Besucherinnen und Besuchern der vom Kooperationspartner entwickelte Audiowalk „Orte der Unsichtbarkeit“ zur Verfügung. Dieser beginnt ebenfalls am Originalsegment der Berliner Mauer und führt zu weiteren Erinnerungsorten der DDR-Geschichte im Hamburger Stadtraum. Theresa Hertrich, Projektkoordinatorin dazu: „Seit 2021 machen wir in unseren Projekten die Geschichten von Menschen sichtbar, die durch Flucht, Ausreise oder nach ihrer Freilassung aus politischer Haft aus der DDR nach Hamburg kamen. Wir dokumentieren und erforschen ihre Erinnerungen und machen sie besonders für junge Menschen zugänglich. Umso mehr freuen wir uns, dass die BLACKBOX HEIMERZIEHUNG auch in Hamburg Station macht. Mit dem Platz der Deutschen Einheit wurde ein Ort gewählt, den täglich Menschen aus aller Welt besuchen. Die Ausstellung und unser Audiowalk laden dazu ein, die verborgenen Geschichten dieses Ortes und anderer oft übersehener Erinnerungsorte zu entdecken und die Geschichte der deutschen Teilung im Hamburger Stadtraum neu wahrzunehmen.“
Die Ausstellung ist kostenfrei zugänglich. Weitere Termine für den Austausch mit einem Zeitzeugen sind in Vorbereitung. Eine Finissage ist in der Woche rund um den Jahrestag des Mauerbaus geplant.
Die Öffnungszeiten finden Sie unter: www.blackbox-heimerziehung.de/aktueller-standort/



Hintergrund
Die BLACKBOX HEIMERZIEHUNG klärt im Innen- und Außenbereich eines umgebauten Seecontainers über die Geschichte des repressiven DDR-Heimsystems auf. Seit 2022 ermöglichte die Ausstellung an 26 verschiedenen Standorten bereits über 58.000 Besucherinnen und Besuchern die Auseinandersetzung mit einem Teil der DDR-Geschichte, der vielerorts bereits in Vergessenheit geraten ist.
Mit der Tour der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG durch die verschiedenen Bundesländer möchte die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau bundesweit die Auseinandersetzung mit diesem wenig bekannten Kapitel deutscher Zeitgeschichte anregen und an die jugendlichen Opfer repressiver Heimerziehung erinnern. Zugleich soll die Ausstellung ehemalige DDR-Heimkinder erreichen und Impulse für die persönliche Schicksalsklärung und Aufarbeitung geben.